Elke Rehder – Radierwerkstatt

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Radierwerkstatt Elke Rehder

Seit 1992 bin ich im Besitz einer schweren Gerstäcker Tiefdruckpresse mit einer Walzenbreite von 60 cm. Sie steht wegen des Gewichtes von 100 Kilo auf einem fahrbaren Spezialtisch. Die Radierpresse ist für Drucke bis zur Größe von  60 x 100 cm geeignet. 

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Radierwerkstatt Elke Rehder in Barsbüttel Kreis Stormarn

Meine präparierte Druckplatte zu der Erzählung "Das Majorat" von E. T. A. Hoffmann liegt auf dem Drucktisch, darüber leicht angefeuchtetes Kupferdruckbütten und die Druckfilze. Der gewünschte Pressdruck muss eingestellt werden. Der Drucktisch wird durch gleichmäßiges Drehen des Sternrades unter der Walze bewegt. Das Druckergebnis ist sofort zu sehen. Da die Hände beim Radieren zwangsläufig auch Druckfarbe aufnehmen, kann man die Druckbütten nur mit sog. Papiergreifern anfassen. Sie können sehr leicht aus starkem Papier oder Karton geschnitten werden. Außen nehmen sie die Farbe auf, innen sollten sie zum Greifen des Drucks immer sauber bleiben. Ich verwende meist Zerkall Kupferdruckbütten. Wenn ich eine andere Oberflächenstruktur wünsche, drucke ich auf Hahnemühle-Bütten oder Japanpapier. 

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Druck einer Radierung an der Radierpresse

 

Kaltnadelradierung 

Mein Beispiel zeigt eine Kaltnadelradierung auf einer Zinkplatte zum Cornet von Rainer Maria Rilke. Es handelt sich um ein manuelles Verfahren ähnlich wie beim Kupferstich. Mit Kraft und dem Stichel werden Linien in die Metallplatte gegraben. Die dabei an den Rändern entstehenden ungleichmäßigen Grate werden beim Kupferstich abgeschabt. Für Kaltnadelradierungen werden sie gern stehen gelassen, da sich in ihnen viel Farbe fängt und das im Druck zu einem tiefen Schwarzton mit leicht unscharfen Rändern führt. Die fertigen Kaltnadelradierungen finden Sie auf meiner Seite Rilke Cornet Radierungen

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Kaltnadelradierung Radierplatte und Druck zum Cornet von Rainer Maria Rilke

Ätzradierung

Für die Ätztechnik wird ein Säurebad benötigt. Säuren in unterschiedlichen Konzentrationen kann man gegen Vorlage des Personalausweises in Apotheken erwerben. Die Säure muss in der säurefesten Flasche aufbewahrt werden. Zum Ätzen von Radierungen benutzt man üblicherweise mit Wasser verdünnte Säure. Um Unfälle zu vermeiden, sollte man folgenden Lehrsatz immer beachten: Gieße niemals Wasser in Säure, sondern immer nur Säure in Wasser! 

Für den Ätzvorgang benötigt man eine säurefeste Plastikwanne. Beim Arbeiten mit Säuren sollte eine Schutzbrille für die Augen verwendet werden. Da gesundheitsschädliche Gase entstehen, ist auch der Atemschutz wichtig. Man sollte nur in gut belüfteten Räumen oder besser noch im Freien arbeiten. Notwendig sind auch Gummihandschuhe für den Schutz der Haut. Sollte doch einmal Säure auf die Haut kommen, hilft sofortiges Spülen mit reichlich Wasser. Deshalb immer griffbereit neben dem Säurebad einen Eimer mit sauberem Wasser stellen. Zu beachten ist zudem, dass Säuren auch mit anderen Materialien reagieren wie z. B. Holz, Papier, Terpentin, Spiritus. Unter Umständen kann es hier zu einer Selbstentzündung kommen. Auch gebrauchte Säure muss in säurefester und dicht verschlossener Flasche aufbewahrt werden.

Nach vielen Ätzgängen wird die Säure schwächer, d. h. sie verbraucht sich. Dann ist es ratsam, ein neues Säurebad anzusetzen. Einfaches Verstärken des Säurebades durch Hinzufügen konzentrierter Säure hat nur einen sehr geringen Effekt und ist Materialverschwendung. Selbstverständlich dürfen auch die verbrauchten Säuren nur als Sonderabfall bei geeigneten Sammelstellen abgegeben werden.

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Säurebad mit darin liegender beschichteter Radierplatte. Die Vogelfeder dient zum Lösen der Gasbläschen von der Druckplatte in der gut belüfteten Radierwerkstatt

Ätzen mit Salpetersäure

Salpetersäure eignet sich für Metalle wie Zink, Kupfer und Messing. Ätzeigenschaften: Ätzt aggressiv in die Tiefe und in die Breite, gern auch etwas unregelmäßig, bei starker Konzentration "reißend". Dies muss nicht unbedingt nachteilig sein, wenn man den Effekt in die Gestaltung mit einbezieht. Aber bei sehr eng verlaufenden Linien kann es durch Unterätzungen zum Wegbrechen der Zwischenräume kommen. 

Beim Ätzvorgang entstehen Gasbläschen, die auf der Druckplatte sozusagen liegen bleiben. Da an diesen Stellen die Ätzung unterbrochen ist, müssen die Bläschen regelmäßig abgestreift werden. Dabei nicht auf der Platte reiben. Hierfür gibt es spezielle Ätzpinsel, aber eine starke Vogelfeder ist auch gut dafür geeignet. Der Ätzvorgang ist also ständig zu beobachten, auch um die Ätzung nach Erreichen des gewünschten Ergebnisses rechtzeitig mit einem Wasserbad unterbrechen zu können. 

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Flasche mit Salpetersäure, säurefester Gummihandschuh und Messbecher sind wichtige Hilfsmittel in der Radierwerkstatt

 

Ätzen mit Salzsäure

Geeignet ist Salzsäure für Metalle wie Zink und Eisen. Ätzeigenschaften: Ätzt in die Tiefe, aber kaum in die Breite. Nicht für alle Radiertechniken geeignet. 

Ätzen mit Eisenchlorid

Geeignet ist Eisenchlorid für Metalle wie Zink, Kupfer und Messing. Ätzeigenschaften: Ätzt sehr gleichmäßig und sehr langsam. Eisenchlorid ist als trockene Kugeln im Fachhandel erhältlich. Die Kugeln werden mit Wasser angesetzt. 

Während des Ätzvorgangs entsteht ein Ätzschlamm, der laufend von der Druckplatte entfernt werden muss, um die Ätzung nicht zu behindern. Wenn man die Druckplatte mit der Ätzseite nach unten auf kleine "Füße" in das Ätzbad legt, fällt der Schlamm automatisch auf den Boden der Ätzwanne. Der Ätzvorgang lässt sich durch das trübe, rotbraune Säurebad nicht genau beobachten. Um die Ätztiefe zu kontrollieren, muss die Platte von Zeit zu Zeit aus dem Säurebad gehoben und mit Wasser abgespült werden. Achtung! Die rostbraune Farbe des Eisenchlorids hinterlässt in Kleidung nicht mehr entfernbare Flecken.

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Eisenchlorid-Kugeln mit Dose 

 

Werkzeuge: Radiernadeln

Mit Hilfe der Radiernadel oder des Stichels wird direkt auf einer beschichteten oder unbeschichteten Druckplatte gezeichnet. Es gibt Nadeln in verschiedenen Stärken und Profilen. Die Ganzmetallnadel ist sehr gut für die Kaltnadeltechnik geeignet. 

 

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Werkzeuge - Detail aus der Radierwerkstatt

 

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Radiernadeln mit Stahlspitzen

 

Werkzeuge: Roulette / Molette

Mit Roulette und Molette lässt sich die Druckplatte mit starkem Druck strukturieren oder mit weniger Druck durch den auf die Platte aufgetragenen Ätzgrund hindurch. Beide Werkzeuge haben einen beweglichen Kopf: Roulette erzeugt mit seinen Spitzen ein gleichmäßiges Muster und Molette mit seinen geschwungenen Bändern eine leicht unregelmäßige Flächenstruktur. Beide Werkzeuge benutzt man für unterschiedliche, charakteristische Spuren auf der Plattenoberfläche zum Gestalten von Flächen, von Grautönen oder Strukturen. Als Beispiel zeige ich hier meinen Probedruck zur Türhüterparabel von Franz Kafka.

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Radierplatte bearbeitet mit Roulette 

 

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Radierwerkzeug Roulette und Molette

 

Werkzeuge: Dreikantschaber / Polierstahl

Falls die Strukturen auf der Radierplatte nach einem Probedruck nicht den Vorstellungen entsprechen, können sie mit Hilfe des Dreikantschabers teilweise oder ganz entfernt werden. Mit dem Polierstahl wird die Oberfläche wieder geglättet. Dieses wichtige Werkzeug ist auch sehr gut zum Entfernen von Kratzern auf der Platte geeignet. 

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Dreikantschaber und Polierstahl, oft gebrauchte Werkzeuge meiner Radierwerkstatt

 

Strichätzung

Bei dieser Technik wird die Druckplatte mit einer säureresistenten Schicht versiegelt. Hierzu verwende ich flüssigen oder auch festen Asphaltlack. Die Rückseite der Metallplatte sollte man nicht vergessen, denn ungeschützt würde auch sie geätzt. Es gibt auch fertige, einseitig beschichtete Druckplatten zu kaufen. Nachteilig hierbei ist, dass die Rückseite nach dem Druck der Auflage nicht für eine neue Radierung genutzt werden kann (was aus Kostengründen viele Künstler machen). 

Mit der Radiernadel wird auf der Oberfläche gezeichnet. Überall dort, wo die Beschichtung verletzt wurde, werden diese Linien im anschließenden Säurebad in die Tiefe geätzt. Die Ätzzeiten sind vom gewünschten Ergebnis abhängig. Sie können zwischen einigen Sekunden bis zu mehreren Stunden, im Extremfall ein bis zwei Tage dauern. 

Die Ätzgeschwindigkeit hängt nicht nur von der Konzentration des Säurebades ab, sondern auch von der Umgebungstemperatur. Es empfiehlt sich daher, die Ätzung immer zu beobachten, um sie im rechten Moment zu unterbrechen. Man hebt die Platte aus dem Säurebad und spült sie mit Wasser ab. Mit weiteren teilweisen Asphaltbeschichtungen zwischen mehreren Ätzvorgängen können die gezeichneten Linien von zart (flach) bis kräftig (tief) geätzt werden. Vor dem Druck wird der Ätzgrund mit Terpentinersatz oder Petroleum entfernt. Die fertigen Radierungen dieser Strichätzungen finden Sie beispielsweise in meine Mappe mit Radierungen zum Schach

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Radierplatte mit Druck der Strichätzung

 

Aquatinta

Um Farbflächen zu ätzen, wird die Druckplatte mit Asphaltstaub (feine Körnung) oder Kolophonium (grobe Körnung) bestäubt. Sehr gleichmäßig wird die Körnung im sog. Staubkasten. Ungleichmäßiger und damit lebhafter wird sie, wenn man den Staub manuell mit einem kleinen Stoffbeutelchen aufträgt. Ich benutze lieber einen kleinen Salzstreuer, bei dem ich die Streufläche mit Stoff abgedeckt habe. Dadurch kann ich den Staub sauber beiseite stellen, während der übliche Stoffbeutel ja immerzu weiterrieselt. Durch Erhitzen der Platte brennt man die Staubkörnchen fest und danach kann die Platte geätzt werden. Die gekörnte Oberfläche wirkt im Druck wie eine Farbfläche. Auch hier gilt: je länger geätzt wird, desto tiefer werden die Farbtöne im Druck. 

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Farbplatte in Aquatinta zum Proceß von Franz Kafka

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Kolophonium und Asphaltstaub

 

Vernis-mou (Weichgrund)

Die Plattengrundierung "Weichgrund" ist ein Ätzgrund, der nach dem Auftragen auf die Druckplatte "weich" bleibt. Gleichmäßig gelingt der Auftrag mit einer (leider sehr teuren) Lederwalze. Eine Zeichnung auf Papier kann direkt auf die Platte übertragen werden, indem man ein Blatt Papier auf den Weichgrund legt. Dann zeichnet man auf dem Papier z. B. mit einem harten Bleistift. Dadurch haftet der Weichgrund am Papier fest und wird beim Abheben des Papiers entfernt. Die Zeichnung ist nun seitenverkehrt auf die Druckplatte übertragen. 

Nicht nur der Zeichenstift sondern auch das verwendete Papier hat Einfluss auf das Ergebnis. Glattes Papier überträgt eine Zeichnung scharfkantig. Mit rauem Papier kann der Effekt einer Kreidezeichnung erreicht werden. Auch die spätere Farbtiefe wird mit dem Zeichendruck auf das Papier beeinflusst. 

Ist die Zeichnung fertig, kann direkt geätzt werden. Da der Ätzgrund weich ist, darf man natürlich die Oberfläche vor dem Ätzen nicht mehr berühren; es sei denn, man beabsichtigt Fingerabdrücke in der Radierung zu haben. Mit nur einem Ätzgang sind unterschiedliche Grau- und Schwarzwerte zu erreichen.

In den Weichgrund können auch die unterschiedlichsten Materialien gedrückt werden, die beim Abheben ebenfalls ätzbare Spuren hinterlassen. Hierbei handelt es sich um das Prinzip der Frottage. Der Phantasie zum Gestalten eines Druckbildes mit Materialien, die einen Reliefabdruck liefern, sind fast keine Grenzen gesetzt. Hier nur ein paar Anregungen: Blätter, Stoffe jeglicher Art wie Gardinen, Spitzen, Kamm und Bürste, Holz, Leder, Walnussschalen, Nudeln, Würfel, Netze, ausgeschnittene oder gerissene Papierstücke, Wellpappe, Garne ... Entfernen lässt sich der Weichgrund wie Asphaltlack mit Terpentinersatz. In der nebenstehenden Abbildung zeige ich die Technik anhand eines Probedruckes zum Proceß von Franz Kafka  - "K. am Schreibtisch".

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Vernis-mou Weichgrund und Lederwalze

 

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Radierplatte mit Vernis-mou Weichgrund-Technik und Probedruck "K. am Schreibtisch" zum Proceß von Franz Kafka

 

Mezzotinto (Schabkunst, Schabtechnik)

Es gibt schon fertig vorbereitete Mezzotinto-Druckplatten zu kaufen. Selber herstellen kann man eine Mezzotintoplatte mit dem Wiegeeisen (Wiegestahl, Mezzotinto-Messer). Einen ähnlichen Effekt erreicht man auch mit einer tief geätzten ganzflächigen Aquatinta. Mit dem Dreikantschaber werden alle Linien oder Flächen, die später im Druck hell erscheinen sollen, ausgeschabt.

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Wiegeeisen, Mezzotinto-Messer, Wiegestahl

 

Reservage Zuckertusche (Aussprengtechnik)

Bei dieser Technik löst man viel Zucker in Tusche auf. Dadurch wird die Tusche dickflüssiger. Mit Pinsel oder Feder zeichnet man mit der Zuckertusche auf die Druckplatte. Nachdem die Zeichnung getrocknet ist, trägt man eine dünne Schicht Asphaltlack darüber. Im anschließenden Wasserbad löst sich der Zucker. Die Zeichnung wird freigesprengt und kann danach geätzt werden. Bei großflächiger Zeichnung, die auch flächig gedruckt werden soll, muss zusätzlich eine Aquatinta aufgebracht werden, bevor geätzt wird. Ich zeige diese Technik in meinem Probedruck zum Proceß von Franz Kafka "Im Steinbruch". Die fertigen Radierungen finden Sie auf meiner Seite Franz Kafka Process

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Aussprengtechnik mit Zuckertusche (Reservage)

Reservage (Aussprengtechnik mit Salz)

Auf die mit Asphaltlack beschichtete Platte werden Salzkörner aufgestreut und mit Hitze festgebrannt. Dadurch brennt sich jedes Salzkörnchen direkt in den Asphaltlack ein. Im anschließenden Wasserbad löst sich das Salz und es bleibt eine gepunktete Fläche zum Ätzen übrig. Die Aussprengtechnik habe ich in meiner Farbradierung "Engel" zum Gedicht "Ein Traum" von Hermann Hesse angewandt.

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Reservage - Aussprengtechnik mit Salz

Pinselätzung

Bei der Pinselätzung wird die konzentrierte Säure direkt mit einem Pinsel auf die unbehandelte Druckplatte aufgetragen. Auch eine Aquatintafläche kann mit dem Pinsel noch geätzt werden. Die Säure ätzt solange bis sie verbraucht ist. Wiederholtes Auftragen kann daher nötig sein. Wenn die Wirkung im Druck auch sehr malerisch ist, ist diese Arbeitsweise sehr gesundheitsschädlich und ich werde aus diesem Grunde darauf verzichten. 

Schleifpapier oder Feilen

Verschiedenste Muster oder Strichlagen können direkt mit Schmirgelpapier oder mit einer Feile in die Platte geritzt werden. Diese sind je nach dem eingesetzten Material flächig, fein oder grob. 

Carborund / Carborundum

Bei dieser Technik wird z. B. starker Kleber, Acryl-Modellierpaste oder Polyester-Füllspachtel auf die Druckplatte aufgetragen, so dass sich beim späteren Druck ein deutlich sichtbares Relief abzeichnet. Alle diese Kleber können auch mit Sand vermischt werden. Die Oberfläche des Reliefs ist dann rau und hält dadurch viel Farbe für einen satten Druck. Wichtig ist, dass die Masse wirklich hart aushärtet, damit sie beim Druck nicht zerbröckelt. Die Schicht der Druckfilze muss bei dieser Technik wesentlich dicker sein, da bei diesem Verfahren nicht nur tief sondern gleichzeitig auch hoch gedruckt wird. Diesen Prägedruck zeige ich hier bei meiner Radierung "Trichter" zu dem Gedicht "Bücher" von Hermann Hesse.

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Radierplatte mit Carborundum und Probedruck

Hayter Technik

Diese spezielle Drucktechnik ist nach seinem Erfinder benannt und erfordert viel Routine. Kurz beschreibe ich hier das Druckprinzip: Die Druckplatte wird in drei verschiedenen Niveaus geätzt. Die drei Druckfarben werden mit verschiedener Viskosität angemischt und mit harter bzw. weicher Druckwalze auf die Platte aufgetragen. Durch die unterschiedliche Viskosität der Farben vermischen sich diese kaum und man erhält einen vielfarbigen Druck. Ich habe diese Technik in dem abgebildeten Probedruck verwendet. Diese Technik verwendete ich neben anderen Techniken auch für meine Radierungen zum Traumbuchstabenbuch von Hermann Hesse. Die Radierungen sehen Sie auf meiner Seite Kunst zu Hermann Hesse

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Radierung in Hayter Technik

 

Zerschnittene Platte

Man kann die Platte in Formen zerschneiden, jede Form einzeln bearbeiten, verschiedenfarbig einfärben und für den Druck wieder zusammensetzen.

 

Wachs- oder Lithographiekreide

Zeichnet man mit Wachs- oder Lithokreide über eine Aquatinta, so werden die winzigen Zwischenräume des Korns völlig geschlossen. Damit wird an diesen Stellen weniger Druckfarbe festgehalten und sie erscheinen im Druck heller. Hierdurch erzielt man einen malerischen Effekt in einer sonst recht einheitlich getönten Fläche. 

 

Druck der Radierplatte

Zum Drucken muss der Säureschutzbelag mit Terpentinersatz oder Petroleum entfernt werden. Dann wird die Druckplatte auf dem Wärmegestell mit Heizplatte erwärmt und mit Tiefdruckfarbe eingewalzt. Durch die Wärme fließt die spezielle Tiefdruckfarbe leicht in die Vertiefungen. 

Die überflüssige Farbe auf der Plattenoberfläche wird mit Zeitungspapier, Wischgaze (Stramin) und zum Schluss ganz zart mit dem Handballen ausgewischt. Der Einfachheit halber wischen viele Radierer dabei die Hand am Arbeitskittel ab, der im Laufe der Zeit schwarz glänzend und etwas steif wird. Die nicht geätzten Stellen der Platte behalten nur einen leichten Farbton, den sogenannten Plattenton.

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Auswischen der Farbe von der Radierplatte mit Wischgaze

Gedruckt wird auf leicht angefeuchtetem Papier. Um zu verhindern, dass die Drucke beim Trocknen wellig werden, müssen die Blätter zwischen Trockenpappen gelegt werden. Die nachfolgende Abbildung zeigt zwischen den Trockenpappen eine Farbradierung zum Majorat von ETA Hoffmann. Die fertigen Radierungen finden Sie auf meiner Seite Kunst zu ETA Hoffmann

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Trocknen der Radierungen zwischen speziellen Pappen

Jeder Druck einer Auflage wird durch die manuelle Bearbeitung etwas anders. Auch dies ist das Besondere an Radierungen. Experimenten bis zur Gestaltung durch Zufall sind hier kaum Grenzen gesetzt. Ich arbeite meist mit Salpetersäure auf Zinkplatten. Hiermit habe die abgebildete Druckplatte an einigen Stellen völlig durchgeätzt und die Ränder aufregend gestaltet. Aufregend auch beim manuellen Einfärben und Auswischen der Platte, da die Ränder an den Außenkanten absolut messerscharf geworden sind. Trotzdem möchte ich, dass sie so wie sie sind bleiben. 

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Ätzradierung mit Durchätzung - Radierplatte und Druck

Die Möglichkeit des kontrollierten Experimentierens sowie die Kombination mehrerer Techniken, um zu dem von mir gewünschten Bildausdruck zu gelangen, machen für mich das große Erlebnis des Radierens aus. Die fertige Radierung sehen Sie auf meiner speziellen Seite Radierungen

 

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