Elke Rehder – Kunst zu Friedrich Hölderlin

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Friedrich Hölderlin - Empedokles, Lebenslauf, Hälfte des Lebens

Kassette mit 3 Farbradierungen, 3 farbigen handgeschöpften Papierobjekten mit Radierung und einer zusätzlichen Radierung auf dem Kassettendeckel. 5 Seiten Text. Format: 38 x 49 cm. Barsbüttel, Elke Rehder Presse, 2001. Auflage: 40 nummerierte und von der Künstlerin Elke Rehder signierte Exemplare.

ARTIKEL-NR.  P26  Preis  600,00 € inkl. MwSt., zzgl. Versand DE 5 €, Europa 9 €. Lieferzeit 3-5 Tage. Zahlungsarten: PayPal / Überweisung.

Anmerkungen der Künstlerin Elke Rehder zu ihren Radierungen und Papierobjekten:
Die drei in diesem Werk wiedergegebenen Gedichte Hölderlins stehen für mich in einem engen Zusammenhang und bewegen mich sehr. Im Gedicht "Hälfte des Lebens" zeigt sich bereits der Winter des Lebens und im "Lebenslauf" wird das nahende Lebensende noch deutlicher. Eine Wiedervereinigung mit der Natur und hieraus entstehendem neuen Leben nach dem Tode lässt sich im "Empedokles" erahnen.

 

Friedrich Hölderlin - Hälfte des Lebens

Mit gelben Birnen hänget
Und voll mit wilden Rosen
Das Land in den See,
Ihr holden Schwäne,
Und trunken von Küssen
Tunkt ihr das Haupt
Ins heilignüchterne Wasser.

Weh mir, wo nehm’ ich, wenn
Es Winter ist, die Blumen, und wo
Den Sonnenschein,
Und Schatten der Erde?
Die Mauern stehn
Sprachlos und kalt, im Winde
Klirren die Fahnen.

"Hälfte des Lebens"  ist eines der berühmtesten Gedichte von Friedrich Hölderlin. Es erschien zuerst im Jahr 1804 in Friedrich Wilmans Taschenbuch für das Jahr 1805. Die Strophen weisen 42, bzw. 41 Silben auf, d. h. das Gedicht ist symmetrisch aufgebaut, mit dem Bruch genau in der Mitte. Die verwendeten Symbole: Birnbaum – Rosen – Wasser – Mauern – klirrende Fahnen könnten in ihrer Abfolge die Form einer Parabel andeuten, deren Scheitelpunkt in der Mitte des Gedichtes liegt. Die Zäsur zwischen den beiden Strophen, auf die so deutlich hingewiesen wird, ist nach Meinung einiger Autoren für Hölderlin ein Symbol des Erhabenen. Die Verklammerung zwischen den beiden Strophen ergibt sich aus Wasser und den darauf folgenden Weh-Fragen, schließlich endend mit Winde, dem Aushauchen des Lebens.

Hölderlin sandte die von ihm selbst als „Nachtgesänge“ bezeichneten Gedichte (Chiron, Thränen, An die Hoffnung, Vulkan, Blödigkeit, Ganymed, Hälfte des Lebens, Lebensalter, Der Winkel von Hahrdt) Ende 1803/Anfang 1804 aus Nürtingen an den Verleger Friedrich Wilmans. Textgenetisch sind in dem Gedicht „Hälfte des Lebens“ 11 Segmente zusammengefügt, die in anderen Zusammenhängen entstanden sind. Erschienen sind die Gedichte Ende August 1804 im Taschenbuch für das Jahr 1805.

Selbst Verehrer Hölderlins konnten dieses Gedicht nicht einordnen. Christoph Theodor Schwab und Ludwig Uhland, die 1826 einen ersten Hölderlin-Gedichtband herausgaben, übergingen die Nachtgesänge, also auch Hälfte des Lebens, weil sie sie für Produkte der Geisteskrankheit hielten. Das Gedicht erschien erst wieder in der von Schwab 1846 besorgten Hölderlin-Gesamtausgabe, allerdings wurde in dieser Version „Birnen“ durch „Blumen“ ersetzt; diese Version wird auch in der Werkausgabe von 1906 in der Rubrik „Aus der Zeit des Irrsinns“ präsentiert. Das Gedicht wurde vielfach vertont und in zahlreiche Sprachen übersetzt.

Der Titel des Gedichts ist auch der Titel des DEFA-Spielfilms „Hälfte des Lebens“ von Herrmann Zschoche aus dem Jahre 1984, der Hölderlins Lebensjahre zwischen 1796-1806 darstellt. (Angaben nach Quelle Wikipedia)

Meine Gefühle für die "Hälfte des Lebens" – ein "memento mori" – habe ich in eine kombinierte Arbeit aus Papierobjekt mit Radierung hineingelegt. Das Fähnlein steht weiß und steif als Symbol für den Winter und gleichzeitig im übertragenen Sinne für die letzte Lebenshälfte. Ich habe darauf verzichtet, die erste Hälfte des Lebens darzustellen, weil ich glaube, dass es eine sommerliche Erfüllung für Hölderlin nicht geben konnte. In seinem "Weh mir" am Anfang der zweiten Strophe wird dies von Hölderlin auch bitter beklagt.

 Friedrich Hölderlin Gedicht Hälfte des Lebens. Radierung mit Papierobjekt von Elke Rehder.

Sprachlos und kalt, im Winde
Klirren die Fahnen.

Radierung mit handgeschöpftem Papierobjekt 
zu dem Gedicht "Hälfte des Lebens" von Friedrich Hölderlin

 

Friedrich Hölderlin - Lebenslauf

Hoch auf strebte mein Geist, aber die Liebe zog
Schön ihn nieder; das Leid beugt ihn gewaltiger;
So durchlauf ich des Lebens
Bogen und kehre, woher ich kam.

Das Gedicht "Lebenslauf" beschreibt die Situation des alternden Menschen. Hierzu habe ich eine Farbradierung geschaffen, die den hoch aufstrebenden Geist der Jugend in der ersten Hälfte des Gedichts dem gebeugten in der zweiten Hälfte gegenüberstellt. Durch meine Farbwahl wird dieser Gegensatz noch verstärkt. Ein kräftiges Rot rückt die erste Lebenshälfte nach vorne und ein kaltes, dunkles Blau das Ende in die Ferne.

Friedrich Hölderlin Gedicht Lebenslauf Farbradierung der Künstlerin Elke Rehder

Farbradierung zu dem Gedicht "Lebenslauf" von Friedrich Hölderlin

Zusätzlich zu dieser Gegenüberstellung beider Hälften in der Farbradierung habe ich die Gefühle des nahenden Lebensendes in einer Kombination aus handgeschöpftem Papier und Radierung  in reduzierter Form wiedergegeben:

Lebenslauf Gedicht von Friedrich Hölderlin. Handgeschöpftes Papierobjekt auf Radierung von Elke Rehder.

Radierung mit handgeschöpftem Papierobjekt 
zu dem Gedicht "Lebenslauf" von Friedrich Hölderlin

 

Der Tod des Empedokles, Friedrich Hölderlin

Der Tod des Empedokles ist ein unvollendetes Dramenprojekt von Friedrich Hölderlin. Das Stück behandelt die letzten Lebenstage des vorsokratischen Philosophen Empedokles aus Agrigent, der sich einer Legende nach durch einen Sturz in den Ätna mit den Worten „Im freien Tod, nach göttlichem Gesetz“ das Leben nahm.

Hölderlins hauptsächliche Quelle für den Empedokles-Stoff waren die Lebensbeschreibungen, Lehren und Aussprüche hervorragender Philosophen des antiken Philosophiehistorikers Diogenes Laertius. Das Stück entstand in den Jahren 1797 bis 1800 und wurde erst nach dem Tod des Dichters veröffentlicht. Die Hölderlin-Editoren haben drei Fassungen des Werks aus den Handschriften rekonstruiert; außerdem sind mehrere Pläne, Entwürfe und theoretische Schriften erhalten, die sich auf das Drama beziehen. Hölderlin beschäftigte sich bereits während seiner Arbeit an dem zuvor erschienenen Roman Hyperion mit diesem Stoff. Die Titelfigur sagt an einer Stelle: „Gestern war ich auf dem Ätna droben. Da fiel der große Sicilianer mir ein, der einst des Stundenzählens satt, vertraut mit der Seele der Welt, in seiner kühnen Lebenslust sich da hinabwarf in die herrlichen Flammen.“ Der erste Beleg für die Arbeit an dem Drama selbst findet sich in einem Brief Hölderlins an seinen Bruder vom Sommer 1797. Darin heißt es: „Ich habe den ganz detaillierten Plan zu einem Trauerspiele gemacht, dessen Stoff mich hinreißt.“ Dieser so genannte „Frankfurter Plan“ ist erhalten geblieben; Hölderlin notierte ihn in einem Schulheft des jungen Henry Gontard, dessen „Hofmeister“, also Privatlehrer er war. Aus diesem Plan geht hervor, dass das Drama auf fünf Akte angelegt war. Etwa zur selben Zeit entstand auch eine dreistrophige, Empedokles betitelte alkäische Ode, in der Bedauern, aber auch Bewunderung für dessen Heldenmut zum Ausdruck kommt. Veröffentlicht wurde sie 1801 in dem Almanach Aglaia.

Friedrich Hölderlin arbeitete zwischen 1797 und 1800 an einem Trauerspiel Der Tod des Empedokles, das unvollendet blieb; es entstanden drei Entwürfe. Empedokles lebt in Harmonie mit einer „größeren“ Natur, in der er sich wie ein Gott fühlt. Dadurch entsteht ein schroffer Gegensatz zwischen ihm und seinen Mitbürgern, die sich nur ihren Alltagsbedürfnissen widmen. Die Agrigenter wollen sich zwar seiner Leitung unterstellen, aber nur im herkömmlichen politischen Sinn, indem sie ihn zum König erheben; sie erkennen nicht, dass die Führung, die er ihnen bieten könnte, geistiger Art ist. Die Königswürde lehnt er ab, da sie nicht mehr zeitgemäß sei. Er fordert Abkehr von der Tradition und eine radikale Neuorientierung mit der „göttlichen Natur“ als Leitbild. Das Volk beharrt jedoch auf seiner gewohnten Denkweise. Empedokles scheitert äußerlich, indem er aus seiner Heimatstadt verbannt wird, und innerlich, indem sein Bund mit den Göttern zerbricht. Mit seinem Tod im Ätna zieht er die Konsequenz daraus. Erst 1826 wurde der dritte Entwurf des Trauerspiels gedruckt; 1846 erschienen alle drei Entwürfe in der Gesamtausgabe Friedrich Hölderlins sämtliche Werke. 1805 brachte Friedrich Wilhelm Sturz die erste moderne Edition der Fragmente des Empedokles heraus.

Der Dichter Matthew Arnold veröffentlichte 1852 eine Gedichtsammlung Empedocles on Etna and Other Poems. Das titelgebende Gedicht (dramatic poem) besteht aus Dialogen. Wie schon Hölderlin lässt Arnold den Philosophen im Ätna sterben; der Tod ist ein Moment der Freude und erscheint als Akt der Befreiung.

Friedrich Nietzsche schätzte Empedokles und betrachtete ihn als Muster eines tragischen Philosophen. Er plante eine Tragödie zu verfassen, deren Held Empedokles sein sollte; Entwürfe aus dem Zeitraum 1870–71 sind überliefert.

Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff meinte, dass Empedokles’ Philosophie, „obwohl sie wenig original und tief war, zu einer dauernden Macht gelangte“; dies habe der Dichter durch seine „formale Kunst“ erreicht.

Romain Rolland verfasste 1918 einen Essay Empédocle d’Agrigente et l’âge de la haine, der 1947 in deutscher Übersetzung erschien. Darin schildert er Empedokles als den menschlichsten Vorsokratiker, dessen Dichtung ein Gesang der Hoffnung und des Friedens sei.

1937 veröffentlichte Sigmund Freud seinen Aufsatz Die endliche und die unendliche Analyse, worin er Empedokles als „eine der großartigsten und merkwürdigsten Gestalten der griechischen Kulturgeschichte“ bezeichnet. Freud vertritt dort die Ansicht, der antike Philosoph habe, indem er das Prinzip des Streits als eigenständige Naturkraft einführte, den Todestrieb entdeckt und sei damit ein Vorläufer der Psychoanalyse. Die Psychoanalyse habe nach zweieinhalb Jahrtausenden die Theorie des Empedokles neu entdeckt und „gewissermaßen biologisch unterbaut“, indem sie den Destruktionstrieb auf den Todestrieb zurückführte, „den Drang des Lebenden, zum Leblosen zurückzukehren“.

Bertolt Brecht schrieb 1935 das Erzählgedicht Der Schuh des Empedokles. Darin präsentiert er neben der von Diogenes Laertios mitgeteilten Fassung der Geschichte vom Tod im Ätna eine eigene Version. In Brechts Darstellung bestieg Empedokles, als er wegen Altersgebrechen lebensmüde war, den Vulkan und ließ, bevor er in den Krater sprang, einen seiner abgetragenen ledernen Schuhe zurück. Damit wollte er erreichen, dass der Schuh dort später gefunden würde und so die einsetzende Legendenbildung zunichte gemacht würde.

Das 1971 uraufgeführte Stück Hölderlin von Peter Weiss befasst sich ebenfalls mit der Thematik des Empedokles. Der Dichter Hölderlin entwirft in ihm ein Stück im Stück; er schildert einen Empedokles der sich als geistiger Führer ins Gebirge zurückzieht, um die Gesellschaft zur Erneuerung zu führen. Kaum verbreitet sich die Sage von Empedokles, ist „vom Widerstand der Sclaven in den Silberminen“ zu hören. Empedokles steht spiegelbildlich im Umfeld der Erneuerung Agrigents für den Hölderlin der französischen Revolution. Die Identifikation des Hölderlins mit dem literarischen Vorbild des Empedokles gleicht symmetrisch der Identifikation Peter Weiss’ mit dem Dichter Hölderlin. (Angaben nach Quellen aus Wikipedia)

 

Elke Rehder - Beschreibung der Farbradierungen und Papierobjekte zu dem Gedicht Empedokles von Friedrich Hölderlin

Empedokles

Das Leben suchst du, suchst, und es quillt und glänzt
Ein göttlich Feuer tief aus der Erde dir,
Und du in schauderndem Verlangen
Wirfst dich hinab, in des Aetna Flammen.

So schmelzt' im Weine Perlen der Übermut
Der Königin; und mochte sie doch! hättst du
Nur deinen Reichtum nicht, o Dichter,
Hin in den gärenden Kelch geopfert!

Doch heilig bist du mir, wie der Erde Macht,
Die dich hinwegnahm, kühner Getöteter!
Und folgen möcht' ich in die Tiefe,
Hielte die Liebe mich nicht, dem Helden.

Der Tod des Empedokles wurde von Hölderlin auch als Drama in mehreren Fassungen beschrieben. Die Sage vom Tode des im Jahre 483 in Sizilien geborenen Philosophen Empedokles, der sich in den Krater des Vulkans Ätna stürzte, wird bei Hölderlin zu einem religiösen Mysterium. Zu dem Gedicht "Empedokles" schuf ich zuerst eine Farbradierung in Rot und Schwarz; eine stilisierte Ansicht eines feuerspeienden Vulkans.

Friedrich Hölderlin Gedicht Empedokles Farbradierung von Elke Rehder.

Der Vulkan Ätna 
Farbradierung zum Gedicht Empedokles von Friedrich Hölderlin

 

Das Thema ließ mich nicht los, so dass ich weiter daran arbeitete. Ich studierte in alten Büchern die Geologie des Ätnas und fertigte schließlich eine zweite Farbradierung, welche die Anordnung der verschiedenen Einzelkrater des Ätnas aus der Vogelperspektive zeigt. Diese abstrahierte Darstellung gleicht einem mystischen Vogelbildnis.

Friedrich Hölderlin Gedicht Empedokles - poem Empedocles - Volcano of Etna from the air - etching by Elke Rehder

Der Vulkan Ätna aus der Vogelperspektive
nach einem alten Luftbild umgesetzt in eine  
Farbradierung zu Empedokles von Friedrich Hölderlin

 

Auf der Suche nach einer weiteren Reduktion entschied ich mich auch hier für eine kombinierte Arbeit aus handgeschöpftem Papier mit Radierung. Der rote Punkt symbolisiert eines der vier von Empedokles genannten Grundstoffe, das trockene und warme Feuer (Heraklit).

Friedrich Hölderlin Empedokles Vulkan Krater. Handgeschöpftes Papier Objekt auf Radierung der Künstlerin Elke Rehder

Das Auge des Vulkans
Radierung mit handgeschöpftem Papierobjekt 
zu dem Gedicht "Empedokles" von Friedrich Hölderlin

 

Biografische Angaben zu Empedokles

Empedokles (um 495 v. Chr. in Akragas, dem heutigen Agrigent auf Sizilien; † um 435 v. Chr. wohl auf der Peloponnes) war ein antiker griechischer Philosoph (Vorsokratiker), Politiker, Redner und Dichter. Unklar ist, ob die Behauptungen zutreffen, wonach er sich auch als Arzt, Magier und Wahrsager betätigte. Zahlreiche Geschichten über sein Leben und seinen Tod tragen legendenhafte Züge. Als Politiker war er in seiner Heimatstadt Akragas umstritten und musste ins Exil gehen, aus dem er nicht mehr zurückkehrte.

Die Philosophie des Empedokles ist in seinen beiden nur fragmentarisch erhaltenen Gedichten – dem Lehrgedicht über die Natur und den „Reinigungen“ – dargelegt. Wie bei den Vorsokratikern üblich befasste er sich mit der Frage der Weltentstehung (Kosmogonie) und versuchte die Ordnung und Beschaffenheit des Weltalls zu klären (Kosmologie). In diesem Zusammenhang entwickelte er eine von mythischem Denken geprägte physikalische und biologische Theorie, zu der auch eine Vorstellung von der Entstehung des Lebens auf der Erde und der Evolution der Lebewesen gehörte. Er führte die Lehre von den vier Urstoffen (Vier-Elemente-Lehre) ein, die für das naturwissenschaftliche Weltbild der Antike maßgeblich wurde und auch die Medizin beeinflusste.

Eine zentrale Rolle spielen in seiner Philosophie ethische und religiöse Überzeugungen, die eng mit seiner Lehre von der Reinkarnation verknüpft sind; im Mittelpunkt steht die Forderung nach Gewaltlosigkeit. Die frei erfundene Legende von seinem Tod im Vulkan Ätna beschäftigte die Fantasie der Nachwelt bis in die Moderne.

Die Hauptquelle für das Leben des Empedokles ist das ihm gewidmete Kapitel im achten Buch der Philosophenbiografien des Doxographen Diogenes Laertios. Diogenes beruft sich für seine Angaben über Empedokles auf 22 heute verlorene Schriften verschiedener Autoren, die ihm aber möglicherweise zum Teil nur aus Zitaten in späterer Literatur bekannt waren. Seinen Quellen entnahm er insbesondere anekdotisches Material.

Die überlieferten Geschichten dienen großenteils der mitunter drastischen Veranschaulichung von angeblichen oder tatsächlichen Charakterzügen oder Fähigkeiten des Philosophen. Manche Anekdoten sind frei erfunden, viele wirken zumindest sagenhaft ausgeschmückt. Manchmal ist – wie bei Heraklit – erkennbar, dass der Urheber einer Behauptung oder Geschichte beabsichtigte, den Philosophen lächerlich zu machen. Einige Angaben über Empedokles’ Leben sind möglicherweise aus einer biografischen Interpretation von Stellen in seiner Dichtung entstanden. Tatsächlich können einzelne Bemerkungen des Dichters einen autobiografischen Hintergrund haben, doch ist bei derartigen Folgerungen Vorsicht geboten. Generell ist die Glaubwürdigkeit der Überlieferung umstritten.

Da die Lehrdichtung des Empedokles nur bruchstückhaft erhalten ist, sind auch Werke anderer Autoren wichtige Quellen für seine Lehre. Eine Reihe von Informationen liefern Aristoteles und Plutarch sowie Aristoteles-Kommentatoren (insbesondere Simplikios). Plutarchs umfangreiche Monographie über Empedokles ist bis auf ein Fragment verloren, doch äußert er sich auch in seinen erhaltenen Schriften über den Vorsokratiker und zitiert ihn.

Die Geburt des Empedokles lässt sich nur ungefähr datieren; da er etwas jünger war als sein Zeitgenosse Anaxagoras, fällt sie wohl in die ersten Jahre des 5. Jahrhunderts. Er stammte aus einer vornehmen und reichen Familie seiner Heimatstadt Akragas. Sein Großvater, der ebenfalls Empedokles hieß, war Pferdezüchter und Sieger bei den Olympischen Spielen von 496. Sein Vater Meton war ein prominenter Politiker. Nach dem Tode des um 472 v. Chr. gestorbenen Tyrannen Theron begannen in Akragas unruhige Zeiten. Der Nachfolger des Tyrannen, sein Sohn Thrasydaios, musste nach nur einjähriger Herrschaft ins Exil gehen. Bei dieser politischen Neuorientierung der Stadt spielte Meton auf der Seite der Tyrannengegner eine führende Rolle. Angeblich wurde Empedokles die Königswürde angeboten, die er jedoch ablehnte. Sicher ist, dass sich die Idee einer demokratischen Staatsordnung durchsetzte. Empedokles engagierte sich auf der Seite der Demokratiebefürworter und trat energisch gegen Bestrebungen auf, die nach seiner Einschätzung auf eine Tyrannenherrschaft abzielten. Er erreichte die Auflösung einer Organisation, die als „Versammlung der Tausend“ bezeichnet wurde und wohl oligarchische Ziele verfolgte. Eine von Diogenes Laertios mitgeteilte Anekdote über Todesurteile, die er veranlasst haben soll, ist allerdings unglaubwürdig; es handelt sich wohl um eine Erfindung eines Komödiendichters. Anscheinend war Empedokles ein begabter Redner, Aristoteles bezeichnete ihn sogar als Erfinder der Rhetorik.

Empedokles’ Verhältnis zu älteren und zeitgenössischen Philosophen ist schwer zu bestimmen. In der Antike galt er als Schüler des Pythagoras oder von frühen Pythagoreern. Diese Annahme war wegen der Verwandtschaft seiner Lehre mit pythagoreischem Gedankengut naheliegend. Ein direktes Schülerverhältnis zu Pythagoras ist allerdings aus chronologischem Grund ausgeschlossen. Außerdem bezeichnet ihn eine antike Überlieferung als Schüler des Parmenides, dessen Lehre ihn jedenfalls beeinflusst hat.

Der biografischen Überlieferung zufolge war Empedokles auch ein erfolgreicher Arzt. Er soll eine Scheintote geheilt haben, die von ihren Ärzten bereits aufgegeben worden war. Ob in dieser legendenhaft ausgeschmückten Geschichte von einer spektakulären Heilung ein historischer Kern steckt, ist unklar. Dass Empedokles Gesundheitsberatung erteilte, erwähnt er selbst. In einer Aufzählung der vier vornehmsten Berufe nennt er die Ärzte neben Weissagern, Dichtern und Fürsten; das ist möglicherweise ein Indiz dafür, dass er den Arztberuf selbst ausgeübt hat. Dazu passt auch sein ausgeprägtes Interesse an biologischen Themen.

Wegen eines politischen Konflikts hielt sich Empedokles im Exil auf; als er nach Akragas zurückkehren wollte, verhinderten dies mächtige Gegner. Der von Diogenes Laertios zitierte Geschichtsschreiber Timaios von Tauromenion berichtet, der Philosoph sei nach Griechenland ausgewandert und habe sich auf der Peloponnes niedergelassen; von dort sei er nicht mehr zurückgekehrt. Mit Berufung auf Aristoteles und Herakleides Pontikos schreibt Diogenes, Empedokles sei sechzig Jahre alt geworden; daraus folgt, dass sein Tod wohl um die Mitte der dreißiger Jahre des 5. Jahrhunderts zu datieren ist. Die Todesumstände sind unbekannt. Die populäre Legende, wonach Empedokles sich in den Vulkan Ätna stürzte, ist freie Erfindung.

Von Empedokles sind keine Bildnisse erhalten. Diogenes Laertios berichtet von einer Statue des Philosophen in Akragas, die später in Rom aufgestellt worden sei, sowie von Gemälden.

Empedokles schrieb eine Anzahl von Werken, die großenteils verloren sind. Erhalten sind Fragmente seiner beiden bekanntesten Dichtungen, des philosophischen Lehrgedichts über die Natur und der „Reinigungen“ (Katharmoí), die beide in Hexametern abgefasst waren. Die überlieferten Bezeichnungen des Naturgedichts – „Über die Natur“ (Peri phýseōs), „Über die Natur des Seienden“ (Peri phýseōs tōn óntōn) oder „Physik“ (Physiká) – waren ursprünglich nur Angaben des Themas; sie waren nicht als Werktitel im später geläufigen Sinne gemeint, denn vom Verfasser verbindlich festgelegte Titel philosophischer Werke waren damals noch nicht üblich. Die herkömmliche, weiterhin vorherrschende Lehrmeinung lautet, dass das Naturgedicht und die „Reinigungen“ zwei unterschiedliche Werke sind, von denen das eine in erster Linie die Naturphilosophie behandelt, das andere primär einem religiösen Zweck dient. Seit 1987 wird in der Forschung aber auch die Ansicht vertreten, es handle sich um nur ein Werk. Ausdrücklich bezeugt ist die Existenz zweier verschiedener Gedichte nur bei Diogenes Laertios. Die Hypothese, wonach es sich um ein einziges Gedicht handelt, hat sich aber nicht durchsetzen können.

Den Gesamtumfang der beiden Gedichte gibt Diogenes Laertios mit rund 5000 Versen an. Erhalten sind insgesamt etwa 500 Verse; sie sind größtenteils nur aus Zitaten in späterer antiker Literatur bekannt, doch sind darunter auch einige Dutzend Verse bzw. Versteile aus dem ersten Buch des Naturgedichts, die nur im Straßburger Empedokles-Papyrus stehen. Bei diesem aus dem späten 1. Jahrhundert stammenden Papyrus handelt es sich um 52 Bruchstücke einer Papyrusrolle, die als Unterlage eines aufgeklebten Schmuckkragens aus Kupferblech dienten. Der Kragen wurde schon 1904 von dem Archäologen Otto Rubensohn erworben, aber erst 1992 sind die Papyrus-Bruchstücke als Teil von Empedokles’ Werk identifiziert worden.

Die Verteilung der erhaltenen Fragmente auf die beiden großen Gedichte ist teils gesichert, teils hypothetisch. Schwierig ist die Bestimmung der Reihenfolge der Fragmente und damit die zumindest teilweise Rekonstruktion des Aufbaus der beiden Werke. In den „Reinigungen“ berichtet der Ich-Erzähler von dem furchtbaren Schicksal, das er sich durch seine Untaten zugezogen hat; seine für mündlichen Vortrag gedachte Schilderung soll das Publikum entsetzen und erschüttern. Nach einem antiken Bericht hat Empedokles die „Reinigungen“ während der Olympischen Spiele öffentlich von einem berühmten Rhapsoden vortragen lassen, um seine Lehre auf diesem Weg bekannt zu machen. Im Naturgedicht wendet sich der Philosoph direkt an seinen Schüler Pausanias, dem er das Werk gewidmet hat, und erteilt ihm Belehrungen. Pausanias soll sein Geliebter gewesen sein, wie Diogenes Laertios mit Berufung auf Aristippos von Kyrene und Satyros von Kallatis berichtet.

Diogenes Laertios teilt mit, Empedokles habe laut einer verlorenen Schrift des Aristoteles politische Abhandlungen geschrieben, und zu seinen Werken gehöre auch eine medizinische Schrift (Iatrikós lógos), die rund 600 Verse (oder Zeilen) umfasst habe. In der Suda, einer byzantinischen Enzyklopädie, wird die medizinische Schrift als Prosawerk bezeichnet. Auch Tragödien wurden Empedokles in der Antike zugeschrieben; deren Verfasser war möglicherweise ein gleichnamiger Enkel des Philosophen, der in der Suda als Tragödiendichter erwähnt wird. Ferner stammten von Empedokles ein Gedicht über die Hellespont-Überquerung des persischen Königs Xerxes I. und ein Hymnus auf den Gott Apollon. Man hat versucht, Reste dieser Gedichte zu identifizieren; diese Hypothesen haben aber wenig Anklang gefunden.

Empedokles entwickelt seine Philosophie in Auseinandersetzung mit dem Denken des Parmenides, den er aber in den erhaltenen Versen nicht nennt. Den Kern seiner Weltdeutung bildet die Konzeption eines ewigen Kreislaufs. Die Naturlehre, die er vorlegt, ist der philosophische Ausdruck des mythischen Weltbilds, zu dem er sich bekennt. In das naturphilosophische System eingebettet ist eine von religiösem Erlösungsstreben geprägte Ethik.

Umstritten ist die Frage nach der Einheitlichkeit von Empedokles’ Lehre bzw. nach einer möglichen Entwicklung seines Denkens, deren Etappen sich in den beiden Gedichten spiegeln.

Zur Zeit des Empedokles lagen in der griechischen Philosophie zwei gegensätzliche Weltdeutungen vor, die Lehre des Parmenides und die Heraklits. Parmenides billigt nur dem Unentstandenen, Vollkommenen und Unveränderlichen Wirklichkeit zu, da er Sein und Entstehen für unvereinbar hält. Für Heraklit sind Sein und Werden unauflöslich verknüpft und bedingen einander.

Empedokles bemüht sich um eine Lösung, die beide Ansätze integriert. Er akzeptiert das Werdende und Vergehende als real, hält aber zugleich an dem Konzept eines keiner Veränderung unterworfenen Seins fest. Träger des Seins sind für ihn die vier Urstoffe Feuer, Wasser, Luft und Erde. Damit wird er zum Begründer der Vier-Elemente-Lehre, doch bezeichnet er die Urstoffe nicht mit dem später gängigen Begriff „Elemente“ (stoicheía), sondern nennt sie „Wurzeln“ (rhizōmata). Die Urstoffe sind qualitativ und quantitativ absolut unveränderlich und erfüllen den gesamten Raum lückenlos; ein Vakuum kann es nicht geben. Sie sind unentstanden und unvergänglich und können sich auch nicht – wie bei Heraklit – ineinander umwandeln. Sie sind also nicht auf einen einzigen Urstoff oder ein Urprinzip (archḗ) zurückführbar, sondern gleichrangig. Damit erfüllen sie die Kriterien eines als Gegensatz zum Werden aufgefassten Seins. Es gibt keine Entstehung aus dem Nichts und keine absolute Vernichtung. Die vier Urstoffe weisen die gleiche konstante Gesamtmasse auf. Alles, was von einem Betrachter als Veränderung wahrgenommen wird, beruht auf dem Positionswechsel kleiner Stoffteilchen, der die jeweils an einem Ort gegebenen Mischungsverhältnisse der Urstoffe ändert. Die Änderung der Mischung manifestiert sich als Wandel der sinnlich wahrnehmbaren Eigenschaften physischer Objekte. Mit dieser Theorie hat Empedokles erstmals das Konzept des Aufbaus der gesamten physischen Welt aus einer beschränkten Zahl von stabilen Elementen in die Naturphilosophie eingeführt. Ob er die Urstoffe für beliebig teilbar hielt oder von kleinsten Mengeneinheiten ausging, ist aus den erhaltenen Fragmenten seines Lehrgedichts nicht ersichtlich.

Die Lehre von den vier Urstoffen verbindet Empedokles mit der griechischen Mythologie, indem er die Stoffe den Gottheiten Zeus, Here (Hera), Aidoneus (Hades) und Nestis zuordnet. Bei Nestis handelt es sich unzweifelhaft um die Wassergottheit; Empedokles hat sie anscheinend mit Persephone identifiziert. Die Zuweisung der drei übrigen Elemente geht aus den erhaltenen Fragmenten von Empedokles’ Dichtung nicht klar hervor und ist strittig. Im Altertum wurde nicht bezweifelt, dass mit Zeus der Feuergott gemeint ist; unklar war nur, ob Here für die Luft und Aidoneus für die Erde steht oder umgekehrt. In der modernen Forschung wird schon seit dem 19. Jahrhundert auch die traditionelle Zuordnung des Zeus in Zweifel gezogen. Eine Reihe von Gelehrten, darunter vor allem Peter Kingsley, treten für eine Hypothese ein, die den Feuergott mit Aidoneus identifiziert, Zeus mit der Luft und Here mit der Erde.

Auch bei der Bestimmung der Ursachen für den Ortswechsel von Stoffteilchen, auf den Empedokles jede Veränderung zurückführt, greift er auf ein mythisches Konzept zurück. Er nimmt zwei einander entgegenwirkende bewegende Kräfte an, eine anziehende und vereinigende und eine abstoßende und trennende. Die vereinigende Kraft nennt er philótēs (Liebe, Freundschaft), die trennende neíkos (Streit). Sie streben unablässig danach, einander zu verdrängen. Aus ihrem endlosen wechselhaften Kampf resultieren alle Vorgänge im Universum einschließlich der menschlichen Schicksale.

Mit diesem System hebt Empedokles den für Parmenides grundlegenden Unterschied zwischen dem Wirklichen, unveränderlich Seienden und der trügerischen Erscheinungswelt des Vergänglichen auf. Für ihn ist die Welt in ihrer Gesamtheit das Wirkliche, und diese Wirklichkeit ergibt sich aus den sechs Prinzipien (vier Urstoffe und zwei Kräfte) und deren Funktionszusammenhang.

Während die vier Urstoffe als solche qualitativ und quantitativ unveränderlich sind, unterliegt der Einfluss der bewegenden Kräfte Liebe und Streit im Lauf der Zeit starken Veränderungen. Dabei handelt es sich um einen zyklischen Wandel. Wenn die Macht der Liebe in der Welt ihre höchste Entfaltung erreicht hat, ergibt sich ein Höchstmaß an Vereinigung, die stärkste Durchmischung der Elemente und damit die größte erreichbare Homogenität der Welt. Der Kosmos befindet sich in einem Ruhezustand. Die überall gleichmäßig vermischten Elemente bilden eine einheitliche göttliche Kugel (sphaíros); der Streit ist bis an den äußersten Rand des Universums abgedrängt. Die Homogenität der Kugel ist aber nicht absolut, da jedes der Elemente sein Eigendasein in der Mischung bewahrt. Mit der Vorstellung eines kugelförmigen Gottes Sphairos – die Kugel galt wegen der Kugelsymmetrie als vollkommener Körper – wendet sich Empedokles gegen anthropomorphe Gottesvorstellungen. Der Kugelgott, der mit dem All in dessen Ruhezustand identisch ist, ist ein fühlendes Lebewesen; er freut sich über seine Einheit. Dieser von der Liebe erzeugte Idealzustand der Welt kann aber nur zeitweilig bewahrt werden. Dann muss ein Umschwung eintreten: Die verdrängte Macht des Streits beginnt zu erstarken, sie nimmt von der Peripherie her kontinuierlich zu und bewirkt eine zunehmende Trennung der Elemente. Graduell gewinnt die Trennungskraft die Oberhand und erlangt schließlich ihre höchstmögliche Macht, wenn die vier Elemente in vier homogene, konzentrisch umeinander geschichtete Massen getrennt sind, die rasch rotieren. Dieser Zustand, mit dem die Verdrängung der Liebe ihr Maximum erreicht hat, bleibt eine bestimmte Zeit lang stabil. Dann kommt es zwangsläufig erneut zum Umschwung. Die in die Mitte des Universums zurückgedrängte Liebe macht sich von dort aus wieder bemerkbar, verdrängt den Streit nach außen und sorgt für zunehmende Vermischung der Elemente und Verlangsamung ihrer Bewegung. Dieser Kreislauf vollzieht sich nach einer unabänderlichen Gesetzmäßigkeit der Natur.

Aus dem Kreislauf ergibt sich die Geschichte des Universums, in der sich somit vier Phasen unterscheiden lassen: die Periode der Vorherrschaft der Liebe, die Periode der zunehmenden Macht des Streits, die Periode der Vorherrschaft des Streits und die Periode der zunehmenden Macht der Liebe. Empedokles ordnet seine eigene Epoche der zweiten Phase zu, in welcher die trennende und die vereinende Kraft miteinander ringen und der Streit die Oberhand gewinnt. Auf diese Phase des Zyklus geht er ausführlich ein. Aus der Interaktion zwischen der zurückweichenden Liebe und dem vordringenden Streit ist phasenweise der gegenwärtige Kosmos mit seiner Vielfalt verschiedenartiger Phänomene entstanden. Der Trennungsvorgang hat damit eingesetzt, dass zunächst Luft, die Empedokles aithḗr nennt, durch eine zentrifugale Wirbelbewegung abgesondert und an die Oberfläche der Weltkugel getrieben wurde. Dort bildete sie eine durchsichtige Umhüllung. Dann trennte sich in der Kugel ein heller, vom Feuer geprägter Außenbereich von einem dunklen inneren mit eingesprengten Feuerteilchen. In der Mitte des dunklen Innenbereichs bildete sich die von Feuchtigkeit durchdrungene Erde. Danach sonderten sich Erde und Wasser voneinander ab, indem das Wasser aus der Erde hervorsprudelte. Schließlich löste sich aus dem Wasser Luft und stieg auf; so entstand die irdische Atemluft. Damit hat die Welt ihre den Menschen vertraute Gestalt erreicht.

Die Einzelheiten des zyklischen Ablaufs und seine Bedeutung im Rahmen der Philosophie des Empedokles sind in der Forschung umstritten; unklar ist insbesondere, ob sowohl in der zweiten als auch in der vierten Phase eine Weltschöpfung und ein Weltuntergang samt Entstehung und Vernichtung der Lebewesen stattfinden und ob dem Streit dabei eine schöpferische Rolle zukommt. Außerdem ist sogar der kosmische Charakter des Zyklus von einigen Forschern bestritten worden; Uvo Hölscher trug 1965 die Hypothese vor, Empedokles habe vielmehr einen Lebenszyklus gemeint. Diese zeitweilig populäre Interpretation hat sich aber nicht durchgesetzt.

Bei den leuchtenden Himmelskörpern handelt es sich um örtliche Zusammenballungen des Feuerstoffs. Dazu gehört die Sonne, deren Licht vom Mond reflektiert wird. Die Behauptung des Doxographen Aëtios, Empedokles habe das Sonnenlicht als Reflexion eines von der feurigen Hemisphäre des Kosmos ausgehenden Lichts aufgefasst, beruht auf einem Missverständnis.

Ein Sonderaspekt des kosmischen Prozesses ist die Entstehung der belebten Körper, die Empedokles mit seiner phylogenetischen Theorie beschreibt. Die Lebewesen fasst er wie alle physischen Objekte als Gemische aus den vier Elementen auf. Die Unterschiede zwischen den Arten und den Individuen ergeben sich im Rahmen seiner Theorie aus der Verschiedenheit der jeweiligen Mischungsverhältnisse. Aus der feuchten Erde bildeten sich unter der Einwirkung der verbindenden Liebeskraft die ersten Pflanzen und Tiere. Anfangs entstanden keine ganzen Tiere, sondern nur einzelne Bestandteile von Tierkörpern, die sich zu unförmigen Gebilden vereinigten, welche unstabil waren und zerfielen. Später formten sich zweckmäßig aufgebaute Organismen, die aber zunächst noch nicht über Geschlechtsorgane verfügten. Erst in der letzten Phase kam es zur geschlechtlichen Differenzierung. Dem Zufall weist Empedokles eine wichtige Rolle bei diesen Vorgängen der biologischen Evolution zu.

Die künftige restlose Trennung der Elemente durch den unausweichlichen Sieg des Streits muss zur Vernichtung aller belebten Körper führen, ebenso wie auch in der Phase der völligen Dominanz der Liebe und Durchmischung der Elemente kein individuelles Leben mehr möglich ist.

Einzelnen biologischen Funktionen wendet sich Empedokles mit großem Interesse zu. Unter anderem erörtert er Zeugung, embryonale Entwicklung, Atmung und Sinneswahrnehmung. Das Denken und die Einsicht lokalisiert er hauptsächlich im Blut, das sich in der Umgebung des Herzens befindet, denn im Blut sei die von der Liebe bewirkte Durchmischung der Urstoffe am stärksten. Die Sinneswahrnehmung erklärt er nach dem Prinzip des Erfassens von Gleichem durch Gleiches; da die Sinnesorgane aus den gleichen Elementen bestehen wie die Wahrnehmungsobjekte, können sie diese adäquat abbilden. Dazu ist ein körperlicher Kontakt erforderlich; materielle Ausströmungen der Wahrnehmungsobjekte erreichen die Wahrnehmungsorgane und treten durch Poren in den Körper des Wahrnehmenden ein. Die Art der Sinneswahrnehmung (optisch, akustisch usw.) hängt von der Größe der Poren des Sinnesorgans ab, die jeweils einer bestimmten Art von Ausströmung des Wahrnehmungsobjekts angepasst ist. Sind die Poren für bestimmte Partikel zu klein, so ist deren Einströmen unmöglich, sind sie zu groß, so kommt es beim Einströmen nicht zum erforderlichen Kontakt. Hinsichtlich der Vertrauenswürdigkeit der von den Sinnesorganen vermittelten Informationen verwarf Empedokles die radikal ablehnende Position des Parmenides und entschied sich für den gemäßigten Standpunkt, man solle den Sinnen vertrauen, insoweit die von ihnen gelieferten Daten klar seien.

Seine Theorie der Atmung veranschaulicht Empedokles durch einen Vergleich mit einem Wasserheber (Klepsydra). Er erklärt die Atmung durch Bewegungen des Bluts. Indem das Blut sich zurückzieht, gibt es der Luft Raum und lässt sie dadurch einströmen. Strömt die Luft aus, nimmt das Blut wieder ihren Platz ein. So entsteht der Wechsel von Ein- und Ausatmen. Umstritten ist, ob Empedokles die Hautatmung oder die Nasenatmung oder beides meint.

Empedokles ist der Überzeugung, dass sich Unrecht und Gewalttaten an ihren Urhebern rächen. Dies geschieht im Rahmen der Reinkarnation, der hier die Funktion einer Strafe zukommt. Das schuldig gewordene Individuum erleidet in aufeinanderfolgenden Leben schlimme Schicksale. Mit dieser Lehre knüpft Empedokles an ein orphisches und pythagoreisches Konzept an.

Am Anfang eines irdischen Daseinszyklus steht für Empedokles eine schwere Verfehlung der betreffenden Person, die ursprünglich ein seliger Gott war und als daímon („Dämon“) bezeichnet wird. Der Übeltäter muss die Götterwelt verlassen und wird zur Strafe auf die Erde in ein langes Exil geschickt. Dort muss er eine Reihe von Leben mit unterschiedlichen Körpern durchlaufen.

Empedokles schildert auch einen einstigen harmonischen, konfliktfreien Idealzustand der Menschheit und ihrer Umwelt in einer Epoche, als die ständig wachsende Macht des Streits noch geringer war. Damit knüpft er an die Vorstellung des von Hesiod beschriebenen vergangenen Goldenen Zeitalters an. Die traditionelle, von Hesiod überlieferte Auffassung, wonach der Gott Kronos im Goldenen Zeitalter der Herrscher war, lehnt Empedokles jedoch ausdrücklich ab. Er schreibt, damals habe nicht Zeus oder Kronos oder Poseidon regiert, sondern die Liebesgöttin Kypris (Aphrodite). Die Tieropfer, die Empedokles verabscheut, habe es damals nicht gegeben; das Töten und der Verzehr von getöteten Tieren sei als „die größte Befleckung“ betrachtet worden.

Da der naturgemäße Urzustand für Empedokles mit völliger Enthaltung vom Blutvergießen und vom Verzehr getöteter Tiere verbunden ist, ruft er eindringlich zur Gewaltlosigkeit auch gegenüber der Tierwelt auf.

Mit Begeisterung verkündet Empedokles seine Botschaft von der möglichen Rückentwicklung des Menschen zum Gott, welcher der verbannte „Dämon“ einst war, bevor er aus dem Reich der Glückseligen vertrieben wurde. Dabei ist allerdings zu beachten, dass die Verwirklichung dieses Ziels im Rahmen des zyklischen Weltbilds des Naturgedichts nicht die Erlangung eines endgültigen, ewigen Zustands bedeuten kann. Auch die Götter sind bei Empedokles vergänglich. Ihre Unsterblichkeit ist für ihn nicht wie für Homer ein ewiger Zustand, sondern befristet; das Unsterbliche kehrt wieder in den Zustand der Sterblichkeit zurück. In einem begrenzten, geschlossenen System, das auf der ewigen Wiederholung eines gesetzmäßigen Kreislaufs beruht, muss notwendigerweise auf Liebe Streit und auf jeden Aufstieg ein Abstieg folgen. (Quelle: Wikipedia)

 

 

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